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Quelle APS: Bürgerbrief Stadt Mechernich 22.09.1978

 

5. Sept. 1978 - Unterurholz ans Stromnetz angeschlossen zur Startseite ... Seite zurück ...

 

Die letzte NAchtkerze wird gelöscht, nachdem Unterurholz eigenen Stromanschluss erhalten hat.

KEV-Direktor Thiel löschte die letzte Kerze in Unterurholz symbolisch mit einem Hammer und übergab anschließend die Stromleitung zu dem kleinen Weiler offiziell ihrer Bestimmung.

Bisher mußten die drei Familien Haas, Meyer und Schnichels abends die Gaslampen anmachen. Der Fernseher wurde über eine Batterie gespeist und die Waschmaschine sowie elektrischer Staubsauger waren bisher nicht vorhanden. Gewaschen wurde noch nach Urgroßmutters Methode auf dem Brett. Dies wird nun in Zukunft alles anders werden. Zunächst werden sich die Bewohner eine Waschmaschine zulegen und alles fehlende elektrische Haushaltsgerät kaufen. Dies wird natürlich nicht auf einmal gehen, denn die Häuser mußten ja auch mit Stromleitungen und allerlei Anschlüssen bestückt werden. Aber nach und nach, so versicherten uns die Bewohner,werden wir alles, was uns fehlt, anschaffen. Sehr vorteilhaft wird auch der elektrische Küchenherd werden und selbst das Bügeleisen braucht nun nicht mehr auf der Ofenplatte erhitzt zu werden. Vorteile gibt es also ab jetzt,die andere Bürger unserer Stadt seit Jahrzehnten bereits nicht mehr zu missen brauchen und für die Strom seit vielen Jahren nichts Besonderes mehr ist,eben weil er da war.
SPD-Fraktionsführer Peter Sehüller bracht zur Feierstunde einen großen Gummihammer mit. Er hatte einmal in einer Diskussion im Kreistag den den Satz geprägt:
"in Unterurholz wird das Licht noch mit dem Hammer ausgemacht.« Symbolisch löschte dann auch KEV-Direktor Thiel eine Kerze aus und übergab so die Unterurholzer Stromversorgung ihrer Bestimmung. Direktor Thiel beglückwünschte die Bewohner des kleinen Weilers zu dieser für sie so wichtigen Neuerung und freute sich mit ihnen, daß es nun endlich soweit ist. Er betonte dabei, daß man sich seitens der Stadt Mechernich und von seiten der Stadtverordneten sehr für die Stromversorgung von Unterurholz eingesetzt habe. Stadtdirektor Helmut Rosen riet den Unterurholzern nun einmal ein Jahr lang den Strom kostenlos zu benutzen, was die KEV sicherlich nicht beanstanden werde. Erst dann könne man ja über die Zahlung für die Zukunft sprechen. Direktor Thiel war damit einverstanden, wenn der Stadtdirektor die Stromgebühren aus eigener Tasche zahlen werde.
Bürgermeister Peter Giesen beglückwünschte die Bewohner des kleinen Weilers zur Inbetriebnahme der Stromzufuhr und führte aus, daß es besonders die Stadt Mechernich freue, das jetzt auch hier alles angeschlossen sei. Der Bürgermeister meinte damit nicht nur den jetzt fertigen Ausbau der Stromleitung, sondern erinnerte daran, daß die Stadt Mechernich vor knapp zwei Jahren auch die Wasserleitung bis Unterurholz verlegt habe. Bis dahin mußten die Bewohner ihr Wasser noch aus Brunnen schöpfen.
Stadtverordneter Peter Schüller dankte im Beisein der ganzen Bewohner vor allem Beigeordneten Hermann Geschwind, der sich sehr für die jetzige Anlage eingesetzt habe. Der Beifall der Unterurholzer bewies, wie sehr sie dies zu danken wußten. Als letzter Redner zeigte sich Ortsvorsteher Michael Schumacher sehr erfreut über den Stromanschluß und meinte, daß nun Unterurholz aus dem Dornröschenschlaf erwacht sei, zumal die Stadt Mechernich noch eine Straßenbeleuchtung installiert habe.
Die Unterurholzer selbst wußten ihre Neuerung zu schätzen. Sie hatten alles aufgeboten was eben möglich war. Die Gäste sollten an diesem Nachmittag den besten Eindruck von Unterurholz mitholen, aber gleichzeitig sollte es Dank sein für all diejenigen, die mitgeholfen hatten, daß diese Neuerung diesen Bürgern zugute kommt.
Nach einer kleinen Wanderung durch die idyllische Stille des Waldes kam man zum Hochspannungsmast, wo der Strom nach Unterurholz abgeleitet wurde. Direktor Thiel von der KEV gab hier noch technische Daten bekannt und erklärte die Umspannungsmöglichkeit für Unterurholz. Vor einem guten Jahr wäre es noch nicht möglich gewesen, von dieser Leitung den Strom nach Unterurholz zu führen.

Im Anschluß an die Besichtigung luden die Unterurholzer alle Gäste im Hause Meyer in der Bar zu einem gemütlichen Beisammensein ein. Niemand schlug die Einladung aus und sicherlich kam es hier zu manch nettem Gespräch. Aus längst vergangenen Zeiten wur­de nochmals erzählt und erst als die Gäste ihren Heimweg antragen, kehrte in Unterurholz die so gewohnte Ruhe wieder ein.
Der 5. September 1978 wird in der Geschichte der Bewohner von Unterurholz als einer der bedeutsamsten Tage eingehen. An diesem Tage nämlich erhielten die zehn Bewohner in drei Häusern erstmals elektrischen Strom. Aus diesem Anlaß fanden sich in den Nachmittagsstunden in Unterurholz bei Lorbach zahlreiche Eh­rengäste ein, um die Stromeinschaltung mit den Bewohnern mitzuerleben. Als Ehrengäste waren neben Direktor Thiel von der Kreisenergieversorgung Schieiden in Kall Bürgermeister Peter Giesen, die Stadtverordneten Josef Jost und Peter Schüller, Stadtdirektor Helmut Rosen, Beigeordneter Hermann Geschwind und Ortsvorsteher Michael Schumacher aus Lorbach erschienen. Selbstverständlich nahmen die Bewohner aus Unterurholz geschlossen an der Feierstunde auf der Grünanlage am Hause Meyer teil.
In Unterurholz gab es also an diesem Nachmittag einen großen Auflauf, denn selten kommen einmal soviele Autos zu dem kleinen Weiler und unterbrechen hier für einige Stunden die sonst so gewohnte idyllische Stille in der waldumschlossenen Kleinsiedlung. Die Bewohner aus Unterurholz hatten für die Feier alles sehr schön zubereitet. In der Grünanlage waren bei dem schönen Wetter Tische und Stühle aufgestellt, ein Faß Kölsch stand bereit und für das leibliche Wohl der Gäste war ebenfalls gesorgt.
Seit Jahren hatten sich die Unterurholzer um die Energie aus der Steckdose bemüht. Immer wieder wurde bei der Stadtverwaltung Mechernich vorgesprochen und man klagte über den so lebenswichtigen elektrischen Anschluß der drei Häuser. Nach langwierigen Verhandlungen, wie das Projekt finanziert werden könnte, war es denn vor einigen Monaten soweit. Die Kreisenergieversorgung Schieiden erhielt den Auftrag, den kleinen Weiler Unterurholz mit Strom zu versorgen. Die Masten wurden aufgestellt und von einer etwa 300 Meter entfernt vorbeiführenden Versorgungsleitung für einen Teil von Mechernich konnte der Strom über einen erforderlichen Transformator zugeführt werden. Damit war das Licht auch bis zum Plugberg in Unterurholz vorgedrungen. Die Kosten belaufen sich auf etwa 30.000,00 DM, dazu kommen noch die Kosten der Versorgungsleitungen in den Häusern, die von den Bewohnern selbst zu tragen sind.                 

Unterurholzer und Ehrengäste unter dem neuen Trafo

Von hier erhalten die Unterurholzer jetzt ihren elektrischen Strom. Zu einem Erinnerungsfoto waren alle Einwohner von Unterurholz mit ihren Ehrengästen zu dem Hochspannungsmast gezogen, wo u.a. Direktor Thiel von der KEV nähere Einzelheiten der Stromversorgung des kleinen Weilers erläuterte.

 

 

 

 

 

© Design, Grafiken, Bilder, Texte, Sounds: Hubert Schmitz, Lorbach (HSL). Ansonsten Angabe des jeweiligen Autors, des Bildeigentümers, der Quelle.
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