Text aus Heimatkalender des ehemaligen Kreises Schleiden 1962, S. 155
Von einem richtigen Gebet an sich ist hier nicht die Rede, eher von einem Bittvers, der am Spätnach-mittag des Allerheiligentages, nach der Segnung des Friedhofes, beim Sammeln von Meßgeldern gesprochen wird. Dieser Brauch besteht in unserem Heimatkreis, soweit die Erkundigungen reichten, nur noch an der Pfarre St. Georg zu Kallmuth. Da zur Pfarrgemeinde die vier Ortschaften: Bergheim, Kallmuth, Kalenberg und Lorbach gehören, wird in jedem der Dörfer das Beten jeweils für den eigenen Ort getrennt durchgeführt.
Mit der Bezeichnung des „Betens" hat es seine besondere Bewandtnis. Die hochdeutsche Bezeichnung „Allerseelenbeten" ist fromm erdacht. Würde ein Fremder unter dieser Bezeichnung nach dem Brauch fragen, bekäme er wahrscheinlich eine unzureichende, vielleicht überhaupt keine Antwort. Der Volksmund prägte hier eine treffendere, wenn auch profane Bezeichnung. Und zwar lebt der Brauch unter dem Namen „Brabbeln". Es braucht hier wohl nicht auf die Ableitung und Bedeutung dieses Wortes eingegangen zu werden. Dass Beten mit gedankenlosem, unverständlichem oder ungeordnetem Dahersagen nichts zu tun hat, ist jedem Christen bewusst. Leider wird dem Brauch durch diese Bezeichnung Abbruch getan. Ob der Volksmund zu ungnädig oder rücksichtslos war, mag sich aus der Schilderung der Handlung ergeben.
Die Ausführenden des Brauches sind alle unverheirateten Männer und Jungmänner vom 16. Lebensjahre an. In Lorbach sind das immerhin an die 30 Junggesellen. Zum Lobe der Vorgenannten sei gesagt, dass sich kaum einer ausschließt.
Ausgerüstet ist man mit einem kleinen Korb. Zur vereinbarten Stunde wenden sich die Junggesellen einem Ortsanfang zu und betreten das erste Haus. Alle treten sie ein. In Küche und Stube stehen sie, weil die kleinen Räume der hiesigen Häuser sie sonst nicht fassen würden. Nun beginnt der Bittspruch, von einem angefangen und dann von allen mitgesprochen. Schließlich schallen die tiefen und sonoren Männerstimmen „donnergleich" durch die kleinen Zimmer, Angstgefühle erweckend. Da der Vortrag nur im ortsüblichen Dialekt ausgeführt wird, muss man scharf hinhören, wenn man aus dem nicht gerade gut eingeübten Sprechchor etwas verstehen will. |
Ein Fremder oder Dialektunkundiger würde bei der Lautstärke und dem sich dazu hin und wieder überschneidenden Sprechen kein einziges Wort verstehen. Für solche ist der Brauch ja auch weniger als für die eigenen Dorfbewohner. Und da die meisten den Spruch von ihrem früheren Mittun kennen, ist er so gerade gut. Vielleicht haben Spötter oder rege Besserwisser, der leider oft unschönen Aussprache wegen, dem Brauch die Bezeichnung „Brabbeln" angedichtet. Ist der Bittvers gesprochen, bekommen die Sammler vom Hausherrn ein Geldstück, während die Hausherrin ihnen ein paar Äpfel in den kleinen Korb legt. Nach dem Gang durch das ganze Dorf wird beides gezählt, Geld und Äpfel. Letztere werden dann, gewissermaßen als eine Belohnung geteilt. Das Geld wird am gleichen Abend noch zum Pfarrer nach Kallmuth gebracht. Diesen bittet man für den Erlös, heilige Messen zu lesen und zwar für alle Verstorbenen des jeweiligen Ortes, auf Grund der Allerseelensammlung.
Im vergangenen Jahr wurden in Lorbach 80 DM gesammelt, ein schöner Beitrag, der allen Toten über die Gräber hinweg zugute kommt.
Nachstehend sei nun der Lorbacher Bittvers, sowohl in der Dialektform als auch in der hochdeutschen Fassung wiedergegeben.
Brabbeltext... |