Aus dem Archiv von Peter Stoltz (APS), aufgezeichnet seit den 50iger Jahren, später teilweise aktualisiert.
In Lorbach brachte und bringt auch heute noch kirchliches und weltliches Brauchtum Leben und Farbe in den Ablauf des Jahres.
Um die Jahreswende kartet man in der Gastwirtschaft “Neujahrskränze“ aus. Es ist vorgekommen, dass dabei bis zu 10 Stück gewonnen und von den Männern mit nach Hause gebracht wurden. Die Kinder erhielten von ihren Paten einen solchen “Neujahrskranz“ aus Weißbrot.
Fastnacht hat im Dorf eine eigene Prägung. Seit alters her haben Weiberfastnacht die Frauen zu sagen, die Männer halten sich bescheiden zurück.
Am Fastnachtdienstag wird ein Junge mit Erbsenstroh oder Kornstroh umwickelt und dann als “Äezebär“ von den Dorfjungen von Haus zu Haus geführt, voran ein Junge mit einer Handharmonika. Das erheischte Geld setzt man anschließend in der Wirtschaft in Getränke um.
Palmweihe leiten die Karwoche ein. Die geweihten Palmzweige (Buchsbaum) steckt man an Kruzifixe und an Türen in Haus und Stall. Mit dem Gloria am Gründonnerstag verstummen die Glocken, um “nach Rom zu fliegen und Weckbrei zu essen“. Morgens, mittags und abends sowie vor den Gottesdiensten zogen die Klapperjungen durchs Dorf und ersetzen die Glocken, die erst beim Gloria am Karsamstagmorgen wieder voll (gestärkt durch den Weckbrei!) vom Kirchturm erschallen.
Ostern bringt der Osterhase bunt gefärbte Eier, mit denen man früher “tippte“, um festzustellen, welches Ei am stärksten war. Der Verlierer musste sein Ei dem Sieger überlassen.
Am Markustag zieht eine Prozession morgens durch die Felder, um Gottes Segen auf die Feldfrüchte herab zu rufen. Das gleiche geschieht an den drei Bitttagen (3 Tage vor Christi-Himmelfahrt): sonntags in Kallmuth, dienstags in Bergheim und mittwochs in Lorbach.
Zum 1. Mai errichten die Junggesellen in der Dorfmitte einen möglichst hohen Maibaum, den Mädchen steckten ihre Verehrer einen bunten Maistrauß ans Haus.
Am Fest Maria Himmelfahrt brachte man einen Strauß bestehend aus “Blitzkraut“ (Johanniskraut), “Donnerkraut“ (Baldrian), “Wurmkraut“ (Rainfarn) und “Bibes“ (Beifuß) zur Kirche. Von den geweihten Kräutern warf man einige bei Gewitter in den Ofen.
Einen Höhepunkt im Dorfleben bildet nach wie vor die Kirmes am letzten Septembersonntag (seit ca 40 Jahren Ende Juni / Anfang Juli) . Sie wird eröffnet mit dem “Ausgraben des Kirmesknochens am Kirmessamstag. Führt man beim Zug durch das Dorf neben dem Kirmesknochen auch noch einen “Kirmespitter“ (Strohpuppe) im Zug mit, erhält er während der Kirmestage einen Platz auf einem Balken im Tanzsaal. Bei einem Gang zum Friedhof am Kirmesmontag gedenkt man der Toten. Der Kirmesdienstag steht im Zeichen des “Hahneköppens“. In der Nacht wird dann die Kirmes “begraben“.
Am Allerheiligen-Nachmittag trifft sich die ganze Pfarrgemeinde auf dem Friedhof, wo an den vorauf gegangenen Tagen die Gräber geschmückt wurden. Die Dorfjungen aber ziehen abends beim Allerseelensingen ( "Brabbeln") von Haus zu, ein Brauch, der recht selten ist.
Am Nikolausabend zog früher der “ Hl. Mann“ mit dem “Hans Muff“ durch das Dorf, wies die Kinder auf ihre Fehler hin, mahnte zur Besserung und beschenkte sie, übergab der Mutter aber auch manchmal eine Rute. Seit mehr als zwei Jahrzehnten findet alljährlich in der Volksschule eine Dorf-Nikolausfeier statt, und jedes Kind erhält eine vom Jagdpächter gestiftete Tüte.
Weihnachten: Auch das Christkind bescherte früher die Kinder in der Christnacht. Heute ist die Bescherung meist auf den Heiligen Abend vorverlegt.
Brauchtum begleitete aber nicht nur den Jahreslauf, sondern auch den Lebenslauf des Menschen.
War ein Kind geboren, gingen die Kinder zum “Kindchengucken und erhielten eine Süßigkeit. Dem jungen Erdenbürger gab man früher meistens den gleichen Vornamen, den Pate oder Patin hatte. Die junge Mutter wagte es nicht, vor der “Aussegnung“ das Haus zu verlassen.
Eingebürgert hat sich der Brauch, den “I-Männchen“ am ersten Schultag eine große Tüte mit Süßigkeiten zu überreichen.
Hilich: Am Vorabend des ersten von drei Sonntagen, an dem ein Brautpaar zum ersten Mal in der Kirche "aufgerufen" (Bekanntmachung der Heiratsabsicht) wurde, feierten die Junggesellen in der Wirtschaft “Hilich“. Der Bräutigam hatte einen angemessenen Geldbetrag beizusteuern. Am Hochzeitstag spannten die Schulkinder nach der Hochzeitsmesse ein Seilchen und ließen die Hochzeitsgäste erst passieren, wenn sie etwas in das bereitgehaltene Körbchen getan hatten.
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