Nach
einem Text von Baptist Schnichels, Lorbach (BS)
Wer war Michael Schumacher?
Als Sohn einer Bergarbeiter-Familie, die wie damals viele andere Familien im
Dorf nebenbei noch eine kleine Landwirtschaft betrieb, wurde Michael Schumacher
1901 in Lorbach geboren. Hier besuchte er die einklassige Volksschule.
Sein
Beruf war zuerst Bergmann, wobei er bei der Mechernicher Gewerkschaft
(Bleibergwerk) tätig war. Auch eine kleine Landwirtschaft betrieb er als
Nebenerwerb. Später war er bei der Deutschen Bundesbahn beschäftigt. Er lebte
hier mit seiner Familie streng nach katholischem Glauben, wie er auch vom
Elternhaus erzogen worden war, und zeigte seine religiöse Überzeugung nicht nur
bei Freunden und Nachbarn, sondern auch bei seinem Engagement und Auftreten in
der Öffentlichkeit. Seine Mitarbeit in der katholischen Pfarrgemeinde St. Georg
in Kallmuth und im Kapellenverein Lorbach ist noch in guter
Erinnerung.
Damit war er zwangsläufig auch ein Gegner des 1933
aufkommenden Hitler-Regimes. Als man in den letzten Kriegswochen (Februar/März
1945 ihn und noch andere Männer aus dem Dorf zum „Volkssturm"
(Heimatverteidigung) einziehen wollte, verstanden sie galant, dieser Situation
zu entgehen. Sie versteckten sich im Wald und in abgelegenen
Büschen.
Unmittelbar nach Kriegsende, es war ein Tag im Juli 1945, fuhr
im Dorf ein Jeep mit amerikanischen Offizieren vor, die nach Michael Schumacher
fragten. Dieser arbeitete gerade auf seinem Acker auf dem „Eiserfeyer Berg". Er
sah das Auto mit den Soldaten kommen, ahnte aber nicht, was ihm geschehen würde:
Hier wurde er zum kommissarischen Bürgermeister von Lorbach ernannt. 1946 wurde
er dann vom neu gewählten Gemeinderat in seinem Amt bestätigt.
Jetzt hieß es
zuerst einmal aufzuarbeiten, was durch die Kriegswirren zerstört oder liegen
geblieben war. Die kommunalen Kontakte und Kooperationen mussten wieder
aufgenommen werden. Arbeit war |
genug im Ort, an der Wasserversorgung zum Beispiel, die im Krieg wegen des
fehlenden elektrischen Stromes zum Teil ausgefallen war. Auch die Stützmauer an
der Kapelle hatte durch Artillerie-Beschuss sehr stark gelitten, bis zu
ca.
65 Prozent waren zerstört. An der Kapelle waren durch die Explosionen sehr
starke Risse aufgetreten. Kurzum, es hieß also anpacken. Michael Schumacher
verstand es, die Leute zu bewegen, die Schäden in Hand- und Spanndiensten wieder
herzurichten, die „Restauratoren der Kapelle waren Mathias Lingscheidt und
Christian Wissbaum (Backesse Chress).
Die neue Währung kam im Juni 1948. Es
war nicht immer einfach, mit den wenigen finanziellen Mitteln all das wieder in
Ordnung zu bringen. Auch um die Flurbereinigung 1955 bemühte sich Schumacher
sehr. So war es verständlich, dass ihm wegen dieser und vieler weiteren
Verdienste Ehrungen zuteil wurden.
1971 wurde die damalige „Dorfstraße in Michael-Schumacher-Straße umbenannt.
Als einziger noch lebender Gründer der Freiwilligen Feuerwehr Lorbach wurde
Michael Schumacher für 50 Jahre Mitgliedschaft geehrt.
Ein besonderer Tag im
Leben von Michael Schumacher und auch für den Ort Lorbach war der 28. September
1979, als ihm wegen seiner großen Verdienste um unseren Heimatort und seine
Bewohner das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde. Am gleichen Tag feierten die Eheleute Michael und Maria Schumacher ihre
Goldene Hochzeit. Festliche Anlässe also für seine Familie und für alle
Lorbacher!

1985 verstarb er im Alter von 84 Jahren.
Wir, die Bewohner von Lorbach,
werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren, spätere Generationen werden
vielleicht von seinem uneigennützigen und vorbildlichen Einsatz für das
Gemeinwesen erfahren, wenn sie die Michael-Schumacher-Straße beschreiten und
fragen: Wer war eigentlich Michael Schumacher? |