"Wo in Mechernich die Sonne immer zuerst aufgeht"
Eifeldorf Lorbach im bergig zertalten Rande der Nordeifel
Ferienregion um den Nationalpark Eifel im Naturpark Hohes Venn - Eifel

 
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Ortsgeschichte - mal salopp ...

Was gibt es eigentlich
zu erzählen über und von einem Ort, in dem die Neandertaler nachweislich nicht gelebt haben, wie es in der Kartsteinhöhle zwei Kilometer Luftlinie entfernt bei Dreimühlen erwiesen, oder durch den die römischen Ingenieure und Bauleute keinen Strang der  Wasserleitung Eifel - Köln getrieben haben, wie es einige 100 m entfernt im Tal zwischen Kallmuth und Eiserfey geschehen ist?
Gerade vorbeigeschrammt an den prägenden und markanten Ereignissen der Historie in der Nachbarschaft, scheint es, als ob die Lorbacher - oder wer auch immer hier früher gesiedelt hat - ohne historische Wurzeln leben müßten.
· Verlassen wir uns deswegen mehr auf unsere historische Phantasie
als auf die geschichtlichen Zeugnisse und entdecken die Neandertalerfamilien (vor 100.000 bis 40.000) und später unsere direkten Vorfahren, die Homines sapientes (vor 40.000-10.000 Jahren), deren Zuhause die Kartsteinhöhle war, bei der Wildobst-, Beeren- und Pilzsuche auch in der hiesigen Landschaft, die jagenden Männer möglicherweise auf der Bären- und Hirschjagd oder beim Fangen von Hasen und Kaninchen.
· Kurz nach der Zeitenwende,  
während die römischen Besatzer alles daran setzten, die Stadt Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln) mit bestem Trinkwasser zu versorgen, nämlich dem Wasser aus der Eifel, ist den römischen Soldaten und Ingenieuren, den einheimischen keltischen Handwerkern und Tagelöhnern, den Einschalern, Betonierern und Maurern und ihren Familienangehörigen die Schönheit der Lorbacher Landschaft sicherlich nicht entgangen.
Da die „Wasserautobahn“ (reine Gefällleitung,  96,5 km lang, täglich geförderte Wassermenge 20.000 bis 30.000 m³) bewacht und betreut werden mußte, bot sie Lebensunterhalt für viele, und konsequenter-weise wuchs bei vielen der Wunsch nach fester Niederlassung in der hiesigen Region. Wenn man dann auch noch die Menschen dazurechnet, die in der keltischen und römischen Zeit in bergbaulicher Arbeit bei Keldenich, Bergheim und Mechernich das Blei gewannen, das allerorten und für viele Zwecke benötigt wurde und von hohem Wert war, versteht man das Entstehen und  Anwachsen neuer Ansiedlungen.         
· Irgendwann
in keltisch-vorrömischer oder römischer Zeit oder auch danach während der unruhigen Zeit der Völkerwanderung hat sich ein Urlorbacher ein Plätzchen am oberen Ende des nach Osten offenen Hochtales zum Siedeln ausgesucht, genau so weit unter der westlichen Bergkante, daß die hier auch heute noch gelegentlich hereinstürzenden Westwinde den menschlichen Gewerken kaum schaden  konnten. Er hat eine Wohnhütte gebaut, nach und nach den Stall, Schuppen und Scheune errichtet, seine Ziegen, Schafe, möglicherweise auch ein Rind gehegt und gepflegt, Boden gerodet und Garten, Weiden und Äcker angelegt für Nahrung für sich und seine Familie. Möglicherweise hätte er sich lieber in den wärmeren Tälern niedergelassen, wo Bäche mit Schwemmland dauerhaft für fruchtbaren Boden sorgen und wo das Arbeiten auf der ebenen Fläche wesentlich leichter ist. Da waren aber bereits zu viele andere. Hier oben, so zeigt es sich heute noch, sind die Bodenqualität ärmer, die Weideflächen hängiger und das Ortsklima "einen Rock kälter". Kurzum,aus der Siedlung ist schließlich ein Dorf geworden, dessen Bewohner viele Herrschaften kommen und gehen gesehen haben und die  gute Zeiten erleben durften und schlechte ertragen mußten.

· Der Glaube an Gott,
jahrüber gelebt in  traditionellen religiösen Feiern und Festen, in Wallfahrten und Prozessionen, in täglichen Riten und bei Gebetsanlässen in der Gemeinschaft wie im Privaten, gab festen Halt in den Unwägbarkeiten und Nöten, denen das Leben ausgeliefert war durch Unglück, Krankheit und Tod, Notzeiten und Kriege. 1908 errichteten die Lorbacher eine eigene Dorfkapelle, die nicht von ungefähr der "Maria zur immerwährenden Hilfe" geweiht wurde. Das religiöse Leben im Ort, der

im übrigen zur Pfarrgemeinde St. Georg in Kallmuth gehört, war eine rein katholische Angelegenheit, auch noch in den Jahrzehnten nach den durch den 2. Weltkrieg verursachten Umwälzungen. Aber auch hier ist die Zeit nicht stehen geblieben. Während wenige den "alten Zeiten" nachtrauern, suchen andere, noch zu wenige,  eine neue Bedeutung und nach zukünftigen Formen des religiösen und kirchlichen Lebens oder in einer nicht an Kirche gebundenen Religiösität. Der beobachtete rapide Rückgang des Interesse an kirchlichem Gemeinschaftsleben ist allerdings eine überregionale Entwicklung.
· Neben der kleinbäuerlichen Acker- und Viehwirtschaft,
die bis in die 50iger Jahre des 20. Jahrhunderts in vielen Familien gepflegt wurde und Grundlage der Ernährung war, prägten der Bleibergbau in Mechernich und seine Randindustriebetriebe  für ein volles Jahr-hundert (etwa ab 1850 bis 1957) das Leben der Lorbacher wie keine anderen Faktoren, je nach Entwicklung mit Not oder Wohlstand.  Als Ende 1957 im Mechernicher Bleiberg die letzten Schichten gefahren wurden und die Jahrtausende alte Mechernicher Bergbautradition zu Ende ging, verloren viele Lorbacher ihren Arbeitsplatz. Nahezu zeitgleich begann die Umstrukturierung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, in deren Folge heute nur noch 3 landwirtschaftliche Betriebe übrig geblieben sind, extensive Grünlandbetiebe mit dem Schwerpunkt Milchgewinnung.
Als tiefgreifende Verluste
empfand man zunächst die Umbrüche und Veränderungen der 60iger Jahre. Zunächst wurde die einklassige Schule aufgelöst, die kulturelle Institution eines Dorfes von hohem Rang. Die Kinder des Dorfes sind seither Schüler der neuen, zentralen Bildungseinrichtungen. Fast zur gleichen Zeit, in den Jahren kommunaler Neugliederung, verlor  der damals 300-Seelen-Ort Gemeinderat und Bürgermeister und damit seine Selbständigkeit, seither entscheiden Stadtrat und Stadtbürgermeister Mechernichs über die kommunalen Probleme der Lorbacher und ihre Angelegenheiten.
Heute wissen die Einheimischen
die Bildungsmöglichkeiten für die weltoffenen, globalen Entwicklungen zu nutzen, verstehen den Umbruch als Aufbruch ins 21. Jahrhundert, sie sehen sich mit ihrem Heimatort  gleichwertig im Kreis der übrigen 23 Ortsteile der 1975 zur Stadt erhobenen Flächengemeinde Mechernich. Das Rad der Entwicklung möchte  kaum einer noch einmal zurückdrehen, so selbstverständlich und bedeutsam ist den Lorbachern der  Blick über den Tellerrand des Heimatortes. Aktuelles Beispiel ist die sehr kontrovers geführte öffentliche Diskussion um die Errichtung zweier Windkrafträder, die auf dem Pflugberg errichtet wurden, einem der schönsten landschaftlichen Zentralpunkte im Gebirgsrand der Nordeifel mit seinem unvergleichlichen Rundumblick.  · Diese häufig sehr schwierigen Perioden
haben die Lorbacher gemeistert, dieses tüchtige Bergvölkchen, das sich immer wieder auf die neuen Gegebenheiten einzustellen wußte und so dazu beigetragen hat, auch während den letzten fünfzig Jahren ein lebendiges und gemeinschaftliches Dorfleben zu entwickeln. Nicht  von ungefähr haben sich in Lorbach früher als in den Nachbarorten Auswärtige um Baugenehmigungen bemüht, so daß die Bevölkerung auf etwa 380 angewachsen ist. Die Mixtur von Einheimischen und Zugezogenen hat zu dem geführt, was heute das Leben in Lorbach prägt: dörfliches Selbstbewußtsein und Zusammengehörigkeits-gefühl, Identifikation mit dem Heimatort, ideenreiches Vereinsleben und Offenheit für Neue und Neues.

Möglicherweise
- so behaupten manche Lorbacher   wohl nicht ganz ernst gemeint und deswegen hinter vorgehaltener Hand -  hängt diese Leistung auch damit zusammen, daß die Sonne in der Stadt Mechernich immer zuerst in Lorbach als dem höchstgelegenen Ortsteil aufgeht....
           

 

© Design, Grafiken, Bilder, Texte, Sounds: Hubert Schmitz, Lorbach (HSL). Ansonsten Angabe des jeweiligen Autors, des Bildeigentümers, der Quelle.
Bei Fehlangaben bitte ich um Mitteilung.