Der höchste Berg der Voreifel
Die Sage vom Pflugberg
Wandert man von Mechernich aus in südlicher Richtung, so erreicht man in knapp einstündiger Wanderung den höchsten Berg der Voreifel, den Pflugberg. Der Volksmund nennt ihn einfach „Der Floch". Fast 500 Meter reckt sich seine kahle Kuppe gen Himmel. Heide und Ginster bedecken die weite Fläche, auch ringsum sieht es ziemlich trostlos und verlassen aus. Nur zwei Häuschen kleben an dem Hang, die an sonnigen Tagen aber das Ziel vieler Wanderer sind. Steine findet man dort in großer Menge.
Vor vielen, vielen Jahren, als in der Eifel noch das Ritterwesen blühte, stand auf dem Berg die stolze Burg des Ritters vom Pflug, der einen goldenen Pflug im Schilde führte. Rein und edel von Gesinnung war der alte Ritter, ein Helfer der Armen und Bedrängten. Er war daher ein ausgesprochener Feind der Raubritter und des räuberischen Gesindels, dessen es damals in der Eifel sehr viel gab. Sein nächster Nachbar war der Ritter von Trimborn, ein bei den Kaufleuten gefürchteter Geselle.
Es war an einem stürmischen Herbstabend, als ein verspäteter Kaufmannszug die Serpentinen der Eifel-Täler durchschritt. Da es nicht geheuer war, zu so später Stunde noch zu reisen, trieben die Leute die Pferde zu größter Eile an, um recht bald in den Bereich einer sicheren Ortschaft zu kommen Mit dem Schwert in der Hand ging es durch die Schluchten, spähend nach rechts und links. Plötzlich ein wilder Aufschrei - bewaffnete Männer fallen den Pferden blitzschnell in die Zügel, ein wüstes Gemetzel, und von spitzen Eisen durchbohrt bedecken die Knechte die Stätte. Nur zwei Kaufleute konnten sich retten und schleppten sich mühsam bis zur Burg des Ritters vom Pflug Sie berichteten dem Ritter von ihrem furchtbaren Erlebnis.
Der Ritter jagte mit seinen Knechten den Banditen nach, es gelang ihm, sie einzuholen und ihnen den Raub zu entreißen. Der Raubritter sann auf fürchterliche Rache. Es soll wenige Tage nachher gewesen sein, als er mit seinen |
Mannen die Burg auf dem Pflugberg belagerte. Wie ein Luchs lag er auf der Lauer und spähte auf eine schwache Stelle in der Verteidigung der Burgmauer. Aber gegen die Belagerten war scheinbar gar nicht anzukommen; spitze Pfeile, glühendes Blei und sogar kochendes Wasser wehrten die Stürmenden ab. Der Winter nahte, Hunger war bereits in die Burg eingekehrt Auch der Burgbrunnen wollte kein Wasser mehr geben. Mutlos und verzweifelt schauten die Krieger zum Burgherrn auf, und schon berechnete der greise Ritter vom Pflug den Tag, an dem er Hab und Gut, Leib und Leben dem ergrimmten Feind ausliefern musste. Als die Not aufs höchste gestiegen war, kam des Ritters Sohn mit einer frohen Botschaft. ER hatte auf der Suche nach Wasser einen unterirdischen Stollen entdeckt, der vom Schloss-Keller ins Feybachtal mündete. Schnell wurden alle Habseligkeiten gepackt, schweren Herzens nahm der Ritter Abschied von seiner Burg und verschwand mit seinen Tapferen im dunklen Schacht. Brennende Holzscheite erleuchteten das gespenstische Dunkel und nach langer Wanderung erreichten die Geretteten an einer Stelle bei Eiserfey, die der Volksmund heute noch „den Düstergang" bezeichnet, das Freie.
Der Raubritter machte mit seinen Mannen einen neuen Angriff. Keinen Widerstand fand er, und in der Burg war kein Laut zu hören, keine Menschenseele zu finden. Unheimliche Stille herrschte in den dunklen Räumen, von deren Wänden das Echo der Kriegerschritte widerhallte. Als die Eindringenden mit der Plünderung fertig waren, soll die Burg unter furchtbarem Krachen und Bersten zusammengebrochen sein, alles unter sich begrabend.
Heute zeugen noch die vielen Steine auf dem Pflugberg von der wehrhaften Feste auf der Bergeshöhe. Eine Stelle, die auch in der heißesten Jahreszeit nicht trocken wird, zeigt an, wo der Schacht in die Tiefe ging. In den ruhigen Nächten will der einsame Wanderer ein leises Rauschen und Plätschern dort vernommen haben, wo früher der Brunnen stand Ein Seufzen geht durch die Luft wie Todeshauch der Erschlagenen unter den Trümmern der Pflugburg. |