Ein würdiges Jubiläum: Zwei mal elf Jahre – Dreigestirn in Lorbach!
von Hubert Schmitz (HSL)
Die IG Karneval, entstanden 1986/87, blickt auf 22 Jahre erfolgreichen Wirkens im Lorbacher Karneval zurück. 20 Dreigestirne und 1 Prinzenpaar haben in den 2 x 11 Jahren dem Lorbacher Karneval und den karnevalistischen Veranstaltungen der Vereine ihren Stempel aufgedrückt.
Ad multos annos! – Auf viele Jahre noch! Das wünscht man sich in Lorbach.
18. November 1986. In der auf Video aufgenommenen Karnevalssitzung tritt auf dem Bildschirm im Wohnzimmer von Mathias und Gerta Jansen in Lorbach unter „Ach, wär ich nur ein einzig Mal ein schmucker Prinz im Karneval“ das Dreigestirn einer Karnevalsgesellschaft auf, wie das während der 5. Jahreszeit landauf landab x-mal geschieht. Da trifft es Mathias wie ein Blitz. „Könnten wir das nicht auch hier in Lorbach machen - das mit einem Dreigestirn?“ ist seine spontane Frage an seine Frau. Fernsehkiste aus – kurz überlegt – ihre Antwort ist Ja. - So berichtete es Mathias Jansen.
Die Idee für ein Lorbacher Dreigestirn war geboren, und mit seiner Frage an die „Männ“, seine Freunde „Miele Jupp“ (Josef Breuer) und „Manni“ (Manfred Kreuser) , ob sie mit dabei sein wollten – alle wohnten damals in Sichtweite „An der Dränk“, lief er bei den beiden geradezu offene Scheunentore ein.
Voller Begeisterung machten sich die Drei und wenige Eingeweihte im ganz nahen persönlichen Umfeld mit Volldampf daran, das erste Lorbacher Dreigestirn Wirklichkeit werden zu lassen. Schnell mussten sie aber einsehen, dass auch der Weg zum höchsten Gipfel des Karnevals mit einer Unmenge an Stolpersteinen gepflastert ist.
Allein das karnevalistische Outfit zu beschaffen wie Kostüme für Prinz, Bauer und Jungfrau, den Dreschflegel des Bauern, die obligatorischen Orden und vieles mehr: die Preise der professionellen Anbieter, bei denen man sich Informationen einholte, ließen die Begeisterung auf nahe Nullpunkt sinken. Dann war ja auch noch der Prinzenwagen für den Rosenmontagszug zu bauen …, das ganze zudem
unter höchster Geheimhaltung, unter Zeitdruck, ohne Geld!
„Geht nicht gibt’s nicht! – Also selber machen“ – galt nun als Motto der Drei und ihrer Mitstreiterinnen. Diskret wurden Tuche, Garn und Goldlitzen gekauft, die drei „Helden“ eingemessen, und dann surrten rund um die Dränk die Nähmaschinen in den Stuben von Gerta Jansen, Rita Breuer und Steffi Hufschmidt. Bald standen die Männ „stief-staats“ in den neuen Uniformen, bereit für die öffentlichen Auftritte.
Mit den eigenen und selbst finanzierten Kostümen haben sie damals bereits den Grundstein gelegt für die folgenden Jahre, weil die nachfolgenden Dreigestirne die Kostüme ausleihen und auf ihren Körperzuschnitt ändern lassen können, vorausgesetzt man findet jeweils drei „Jecke“.
Den Dreschflegel, einen echten, antiken, stellte in den ersten Jahren Peter Stoltz zur Verfügung.
Nicht weniger schwierig war der Bau des Prinzenwagens in der Garage von Miele Jupp. Aufbauteile wurden im „Zulieferer-Keller“ von Mathias Jansen zugeschnitten, angestrichen und mit karnevalistischen Emblemen verziert. Sie aber zur Endmontage in die schräg gegenüberliegende Garage zu transportieren, ohne sie den wachen Augen der Nachbarschaft zu präsentieren, bedurfte schon raffinierter logistischer Tricks. Denn auch die regelmäßige Anwesenheit von Willy Ziegler, einem Lorbacher Werbegestalter, der seit Jahren seine Kreativität den dörflichen Festen angedeihen ließ, hatte der Nachbarschaft längst verraten, dass in der Garage etwas Außergewöhnliches geschah.
N.B. Beim Kramen in den Erinnerungen schälte sich auch heraus, wovon das karnevalistische Ur-Dreiergespann ganz besonders träumt. Es sind die fast täglichen, unentbehrlichen Besprechungen im „Müden Wolf“ während der Anfangsjahre. Und was das wiederum mit „Ännchen von Tharau“ zu tun hat, wird demnächst an anderer Stelle zu lesen sein.
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Die drei Karnevalsfreunde:
V.l. Manni (Manfred Kreuser), Mättes (Mathias Jansen), Miele-Jupp (Josef Breuer)
Am Rosenmontag die Überraschung! Der bunte Wagen, Ergebnis des wochenlangen heimlichen und emsigen Treibens und zentimetergenau auf Torgröße konstruiert, wurde aus der Garage gezogen. Der dreistufige Aufbau verriet, wozu das Ding genutzt werden sollte. Er war auf einem Einachser-Anhänger montiert, von dem außer den Rädern nichts mehr zu sehen war. Kurze Zeit später nahmen darauf ihren Platz ein:
Prinz Mathias, Jungfrau Josef und Bauer Manfred.
So etwas hatte man in Lorbach noch nicht erlebt.
Dass der Rosenmontagszug in Lorbach ein „bombiger“ Erfolg wurde, obwohl Windböen Aufbauteile des Prinzenwagens abrissen, braucht eigentlich nicht erzählt zu werden.
Dienstags in Kallmuth ebenso, die Begeisterung schlug hoch bis hin zur Theke beim Abschlussfeiern. Dieser oder jener des Dreigestirns weiß nur vom Hörensagen, wie er mit seinen Freunden nach Hause gelangt ist.
So kam es zwangsläufig, dass man das Dreierteam bat, im kommenden Jahr offiziell das Lorbacher Dreigestirn zu sein. Den Auftritten fehlte bisher noch die Gruppe der Tanzmädchen. Vier Mädchen, nämlich Michaela und Anja Evertz, Sonja und Bettina Evertz / Müller, wurden in den Monaten vor der neuen Session 1987/88 vorbereitet und mit selbst genähten Kostümen ausgestattet. Die Begeisterung der Eltern dieser vier und die Betreuung bei den Auftritten müssen hier lobend erwähnt werden. Die Kosten der Kostüme teilte sich – wiederum – das Dreigestirn.
Die offizielle Funktion verlangte auch nach einem offiziellen karnevalistischen Orden. Diesen entwarfen die drei selber und ließen ihn anfertigen, beraten und unterstützt von einem „Kölner Lorbacher“, Mitglied bei den Blauen Funken in Köln.
So war man für die karnevalistische Herrschaft 1988 in Lorbach gerüstet und hatte gleichzeitig die Basis für zwei Jahrzehnte mit insgesamt 20 Dreigestirnen und einem Prinzenpaar gelegt, die allen Lorbachern und ihren Gästen so viel Spaß und Freude gebracht haben wie auch den Aktiven; irgendwie immer dabei die ersten drei: Mättes, Miele-Jupp und Manni.
Dass die Gründer nach 2 Jahrzehnten nun nicht mehr in der vordersten Front mitarbeiten möchten, ist zunächst zu verstehen. Zwar fehlt es ihnen nicht an eigenen Ideen. Allerdings sehen sie die Entwicklungen des karnevalistischen Treibens in Lorbach mehr und mehr kritisch, im Straßen- wie im Saalkarneval. Sie vermissen die öffentliche Diskussion darüber und die Mitsprachemöglichkeiten.
Resignation? Davon kann keine Rede sein. Zuzutrauen ist ihnen nämlich noch einiges, wenn man ihre Gesichter genau beobachtet und nicht Gesagtes richtig versteht ... etwas ohne großen Aufwand …
Werden in diesem, im nächsten Jahr die Nachbarn „An de Dränk“ wiederum geheimnisvolle Vorgänge in Miele-Jupp’s Garage beobachten können…?
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